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EVALI
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EVALI ist eine vor allem in den USA aufgetretene akute LungenschĂ€digung durch den Konsum von bestimmten Produkten, die mittels E-Zigaretten inhaliert werden. Die auch im Deutschen verwendete AbkĂŒrzung steht fĂŒr den englischen Fachbegriff E-Cigarette, or Vaping, Product Use Associated Lung Injury. Manchmal findet sich auch der Ausdruck VALI, welcher die Form der Aufnahme in die Lunge („vaping“) nennt, die dazu genutzten GerĂ€te aber offen lĂ€sst.

Ab August 2019 verzeichneten die USA einen sprunghaften Anstieg der FĂ€lle von schweren LungenschĂ€digungen, die mit Atemnot einhergehen und zu einem Lungenversagen und zum Tod fĂŒhren können. In der Mehrzahl der FĂ€lle wurde von den Konsumenten Tetrahydrocannabinol (THC), aber auch Nicotin (11 %) inhaliert und als wesentliche Ursache das gelegentlich sogar als Hauptbestandteil in den konsumierten Produkten enthaltene Vitamin-E-Acetat ausgemacht.cite-ref-layden-1-0[1]

Contents

‱ Symptome
‱ Diagnostik
‱ Behandlung

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Pathogenese und technische Grundlagen

Bei E-Zigaretten wird FlĂŒssigkeit („liquid“, „flavors“, „juices“) erhitzt und vornehmlich als Aerosol und teilweise als Dampf eingeatmet, die ĂŒblicherweise Nicotin enthalten. Aufgrund teils lange bestehender Freigabe von Cannabisprodukten in einigen Bundesstaaten der USA wurde das technische Prinzip der E-Zigaretten fĂŒr den Konsum von Medizinalcannabis, aber auch zum Freizeitkonsum optimiert. Dazu wurden eigens abgewandelte Produkte als sogenannte „E-Joints“cite-ref-2[2] mit Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol entwickelt und auf den Markt gebracht.cite-ref-3[3] Es handelt sich dabei um vorgefĂŒllte Einwegverdampfer, die auf handelsĂŒbliche Akkus (fĂŒr E-Zigaretten) geschraubt werden können. Die hohe Akzeptanz widerspiegelt den Konsumentenwunsch nach einem unkompliziert handhabbaren Produkt, das ohne vorherige Zubereitung jederzeit unterbrechbaren, asche- und nahezu geruchsfreien Konsum ermöglicht. Bedeutend aber fĂŒr den 'medical use' (erhĂ€ltlich in 'Dispensaries') ist das Fehlen schĂ€dlicher Verbrennungskomponenten, die im Rauch eines Joints auftreten. Aufgrund dieser Eigenschaften wuchs die Nachfrage besonders in US-Bundesstaaten, in denen der Erwerb regulatorisch unterbunden ist und daher ein Bezug nur ĂŒber illegale Quellen möglich war.

Grund- bzw. TrĂ€gerstoff des in E-Zigaretten verwendeten Liquids ist eine Mischung aus Propylenglykol und Glycerin. Tetrahydrocannabinol (THC) oder Haschischöl (sog. „dabs“) können aufgrund ihrer lipophilen Eigenschaften nur durch Einsatz von Emulgatoren mit den genannten TrĂ€gerstoffen vermischt werden.cite-ref-4[4] Eine Verwendung lipophiler TrĂ€gerstoffe verbietet sich durch die seit langem bekannten offensichtlichen lungenschĂ€digenden Eigenschaften, darĂŒber besteht innerhalb der Branche seit Jahren allgemeiner Konsens. Es besteht also sowohl technisch als auch rechtlich ein erheblicher Unterschied zwischen diesen Produkten. THC-haltige Produkte sind keine E-Zigaretten und nur in einigen wenigen Bundesstaaten der USA offiziell zugelassen.

In den USA existieren Regelungen zum Verbraucherschutz. Offensichtlich bestehen hier jedoch Defizite in der behördlichen Überwachung des Markts. Es gibt dort eine Vielzahl von Produkten, teilweise aus heimischer Produktion, ĂŒber deren QualitĂ€t und Sicherheit mangels effektiver MarktĂŒberwachung keine Informationen vorliegen. Dabei ist der Gebrauch von E-Zigaretten in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegencite-ref-suhling-5-0[5] und bereits seit 2014 sind E-Zigaretten in den USA das am hĂ€ufigsten verwendete nicotinhaltige Produkt bei SchĂŒlern der High-School („youth vaping epidemics“). Diese Aussage ermöglicht allerdings keinen RĂŒckschluss, inwieweit die Konsumenten von E-Zigaretten auch Produkte mit THC konsumieren.

Eine weitere physikalische Besonderheit der THC-haltigen Produkte fĂŒhrte zu dem beobachteten gehĂ€uften Auftreten von gesundheitlichen Problemen bis hin zu TodesfĂ€llen (siehe Abschnitt Epidemiologie). Produkte mit sehr hohem THC-Gehalt zeigen eine relativ hohe ViskositĂ€t und eine auffĂ€llige Farbe. Aufgrund unterschiedlicher Gesetzeslage in den einzelnen Bundesstaaten und des hohen erzielbaren Verkaufspreises wurden diese massenweise gefĂ€lscht und ĂŒber illegale Wege vermarktet. Die gefĂ€lschten Produkte wurden zur VortĂ€uschung eines hohen THC-Gehaltes unter Beibehaltung von ViskositĂ€t und Farbe durch Zugabe von Vitamin-E-Acetat bis weit ĂŒber 85 % (Gewichtsprozent) manipuliert. Das dafĂŒr ab Anfang 2019 hauptsĂ€chlich eingesetzte Produkt „Honey-Cut“ versprach dabei ungeahnte Verschnittgrade. Bei einem ersten Ermittlungserfolg beschlagnahmte die Polizei bei den GebrĂŒdern Huffines an die 100.000 Kartuschen (Cartridges), die unter dem Fantasielabel „Dank Vape“ vertrieben und von ihnen gewerbsmĂ€ĂŸig in QuantitĂ€ten um 5.000–6.000 StĂŒck/Tag hergestellt wurden.cite-ref-6[6] WĂ€hrend in Minnesota im Jahr 2018 kein Vitamin-E-Acetat nachgewiesen werden konnte, war dies bei allen im September 2019 durch die US-amerikanischen Aufsichtsbehörden beschlagnahmten Produkten der Fall.

In einer Analyse von Proben aus BronchoalveolĂ€ren Lavagen bei 51 Patienten, die akut an EVALI erkrankt waren, konnte in 94 % der FĂ€lle Vitamin-E-Acetat nachgewiesen werden, jedoch in keinem Fall einer gesunden Vergleichsgruppe. Außerdem wiesen 94 % der Proben nachweisbare Spuren von THC oder THC-Metaboliten auf. Nicotin oder Nicotin-Metabolite fanden sich in 64 %. Außer Kokosöl und Limonen in je einer Probe wurden keine anderen toxischen Zusatzstoffe in den Lavageproben gefunden, wodurch ein Zusammenhang zwischen der EVALI-Epidemie und der Beimischung von Vitamin-E-Acetat hergestellt wurde.cite-ref-blount-7-0[7]

Vitamin E und seine oxidationsgeschĂŒtzte Form, das Acetat, haben stark antioxidative und somit protektive Wirkungen besonders auf Phospholipide von Zellmembranen, wie sie auch als Surfactant in der Lunge vorkommen. Diese hĂ€ngt aber entscheidend von der Iso-Form des MolekĂŒls ab – so hat das α-Tocopherol eine schĂŒtzende, das Îł-Tocopherol eine entzĂŒndungsfördernde sowie Überempfindlichkeit auslösende Wirkung.cite-ref-8[8] Unter diesem Aspekt wĂ€re fĂŒr α-Tocopherol als niedrig dosierten Zusatz ein Positivnutzen denkbar. Die Tabakindustrie verfolgte 2003 ebenso den Ansatz, Vitamin-E Acetat als Zusatz fĂŒr Zigaretten einzusetzen, um durch dessen Schutzwirkung auf das Lungenepithel die Negativfolgen des Rauchens zu verringern. Das damit befasste deutsche BfR (Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung) lehnte dies ab, da weder der Nutzen, noch eine Unbedenklichkeit nachgewiesen werden konnte.cite-ref-9[9] Weitere Studien wiesen fĂŒr Îł-Tocopherol hingegen einen Promotor-Effekt fĂŒr Lungenkarzinome nach.cite-ref-10[10] Aufgrund seiner Wasserunlöslichkeit und seines hohen Siedepunktes kann davon ausgegangen werden, dass in hohen Dosen in die Lunge gelangtes Vitamin-E-Acetat relativ lang dort verbleibt und sich beim Konsum der manipulierten Produkte in der Lunge anreichert. Die in der Lunge befindliche relativ viskose FlĂŒssigkeit behindert hier den Gasaustausch und kann in letzter Konsequenz auch zur SchĂ€digung des Lungengewebes fĂŒhren. Dabei werden zwei mögliche Mechanismen diskutiert:

1. Vitamin-E-Acetat hat eine aliphatische Kette, die sich durch das Surfactant hindurch parallel zu den Phospholipiden der Zellmembran der darunter liegenden Alveolarzellen ausrichtet. Dadurch verliert das Surfactant die Eigenschaft, eine OberflÀchenspannung aufrechtzuerhalten, und die Alveole kollabiert mit nachfolgender SchÀdigung der Alveolarzelle.cite-ref-blount-7-1[7]
2. Ein weiterer Mechanismus kann darin bestehen, dass durch das Erhitzen des Vitamin-E-Acetats im Verdampfer Ethenon entsteht, das reaktiv ist und konzentrationsabhÀngig als lungenirritierend gilt.cite-ref-blount-7-2[7]

In einer Studie, bei der MÀuse einem Vitamin-E-Acetat ausgesetzt wurden, zeigten sich akute LungenschÀdigungen mit pathologischen VerÀnderungen, die denen bei EVALI sehr Àhnlich waren.cite-ref-11[11]

Epidemiologie

Im August 2019 berichtete das US-amerikanische Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erstmals ĂŒber eine epidemische Zunahme von FĂ€llen schwerer LungenschĂ€digung in Zusammenhang mit der Nutzung von E-Zigaretten und „vaping“,cite-ref-12[12] nachdem ein erster Cluster am 1. August 2019 in Wisconsin gemeldet wurde. In den USA wurde Anfang September 2019 ein Höhepunkt der Epidemie mit seither rĂŒcklĂ€ufigen Zahlen erreicht.

Angesichts der rasant steigenden FĂ€lle mit toxischer LungenschĂ€digung wurde zu Beginn der Epidemie zunĂ€chst vermutet, dass in den benutzen Produkten Verunreinigungen in Form von Pestizid- oder SchwermetallrĂŒckstĂ€nden diese akuten pulmonalen Insuffizienzen verursachten. Analysen bestĂ€tigten hohe Pestizidkontaminationen vor allem mit Myclobutanil, bei dessen thermischer Zersetzung HCN entsteht, das in geringen Konzentration LungenschĂ€digungen auslöst.cite-ref-13[13] Die Substanz ist im offiziellen Cannabisanbau in vielen Bundesstaaten verboten, oft aber in illegal produziertem Marihuana nachzuweisen, da es dort wegen der fungiziden Wirkung eingesetzt wird. RĂŒckstĂ€nde sind kaum entfernbar und gehen bei der Ölgewinnung nahezu vollstĂ€ndig in das Produkt ĂŒber.cite-ref-14[14]

Bis zum 18. Februar 2020 wurden in den USA insgesamt 2807 Patienten aus allen Bundesstaaten registriert, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, und von denen 68 an den Folgen der LungenschĂ€digung starben.cite-ref-stanbrook-15-0[15] Aus Deutschland wurde in einem kumulativen Bericht ĂŒber FĂ€lle dreier Patienten berichtet, deren klinisches Bild dem einer EVALI-Lungenerkrankung durch E-Zigaretten entspricht, laut den Autoren aber „lĂ€sst sich der Beweis fĂŒr den Zusammenhang der Erkrankungen mit dem E-Zigarettenkonsum nicht fĂŒhren“.cite-ref-suhling-5-1[5]

Die anfĂ€nglich vermutete EinschĂ€tzung, es handele sich bei EVALI nur um ein temporĂ€r sowie geographisch begrenztes Erkrankungsbild, wurde durch sporadisch weiter auftretende FĂ€lle weltweit nicht bestĂ€tigt. So prĂ€sentierten die behandelnden Mediziner Anfang 2025 einen Fallbericht eines 16-jĂ€hrigen Intensivkonsumenten von E-Zigaretten, der ihnen ĂŒber die mit V.a. Pneumonie erstbehandelnde Klinik als Notfall zugewiesen wurde. Mikrobiologische Erregernachweise waren negativ und aufgrund rascher respiratorischer Verschlechterung hin zu einem schweren ARDS wurde eine Extrakorporale Membranoxigenierung bei gleichzeitiger Steroidtherapie erforderlich. In der Bildgebung waren ARDS-typische beidseitige Infiltrate mit begleitendem Mediastinalemphysem und Pneumoperikard darstellbar. Die ECMO konnte sukzessive bis Tag 15 deeskaliert, der Patient von invasiver Beatmung entwöhnt und nach Tag 27 an die erstbehandelnde Klinik zurĂŒckĂŒberwiesen werden.cite-ref-16[16]

Die weitaus meisten Patienten sind jung und gesund und haben außer Asthma (22 % in einer Fallstudie) keine medizinischen Vorerkrankungen. Affektive und Angststörungen wurden aber bei 40 % berichtet.cite-ref-layden-1-1[1] Das mittlere Erkrankungsalter betrug 24 Jahre, 16 % der Patienten waren unter 18 Jahre alt.

Die meisten Patienten bestĂ€tigten einen regelmĂ€ĂŸigen Gebrauch einer E-Zigarette oder eines „Vaping“-GerĂ€tes, und nur 11 % gaben in einer Fallstudie an, nur Nicotin zu verwenden, aber 89 % verwendeten außerdem oder ausschließlich THC oder CBD.cite-ref-layden-1-2[1]

Allerdings wurden bereits 2012 erste FĂ€lle von LungenschĂ€den publiziert, die mit E-Zigaretten oder anderen „Vaping“-GerĂ€ten assoziiert waren, und auch nach der US-amerikanischen Epidemie, und bei erheblich rĂŒcklĂ€ufigen Zahlen nach Bekanntwerden des vorwiegenden Zusammenhangs mit dem Zusatz von Vitamin-E-Acetat, sind weiterhin zahlreiche FĂ€lle berichtet worden, die nicht mit Tetrahydrocannabinol oder Vitamin-E-Acetat in Verbindung gebracht werden konnten. Zudem zeigten sich vielfach unterschiedliche pathologische Erscheinungsformen von der kongestiven Pneumonie ĂŒber akute AlveolarschĂ€digungen bis zu Interstitieller Lungenerkrankung, sodass im April 2020 die Hypothese aufgestellt wurde, dass sich unter EVALI mehrere unterschiedliche Formen von LungenschĂ€digung gruppieren und eine Vielzahl von Bestandteilen fĂŒr die toxischen Effekte verantwortlich sind. Generell könne eine akute schwere Verlaufsform wie im Rahmen der abgelaufenen US-amerikanischen Epidemie von leichteren, chronisch-langfristigen Formen abgegrenzt werden.cite-ref-stanbrook-15-1[15]

Diese thesenhafte Suggestion eines Journal-Vorwortes erfĂ€hrt mittlerweile Kritik, da in den angelsĂ€chsisch dominierten Publikationen zu EVALI unzulĂ€ssigerweise unter dem Begriff ‚Vapen‘ ĂŒberhaupt nicht zwischen E-Zigaretten, Vaporizern, Bhong-Benutzung sowie THC-Konsum unterschieden wird.cite-ref-17[17] Die Quelle, auf die sich das NEJM-Vorwort primĂ€r bezieht, schildert den Fallbericht eines 17-jĂ€hrigen kanadischen THC-Konsumenten, der schwer an EVALI erkrankte und zu einer Zeit hospitalisiert wurde, in der in Kanada der Erwerb von Cannabisprodukten illegal war.cite-ref-18[18] BefĂŒrchtungen ĂŒber eine Vielzahl von Bestandteilen als Auslöser, die bereits im Sommer 2019 auch von Brancheninsidern geĂ€ußert wurden, nĂ€mlich dass sich die Vorlieferanten fĂŒr Verschneideagenzien aus dem Repertoire fĂŒr Kosmetikprodukte (INCI) bedienen, haben sich im Nachhinein bestĂ€tigt. So wurde Squalan und Squalen in Analysen gefunden, was zu behördlichen RĂŒckrufanordnungen und der Revision der Liste zulĂ€ssiger Inhaltsstoffe fĂŒhrte. Es sind nicht nur Produkte fĂŒr den Schwarzmarkt betroffen, auch offizielle Labels haben diese ZusĂ€tze verwendet.cite-ref-19[19] DarĂŒber hinaus wurde auch Phytol als eingesetztes Additiv in Proben nachgewiesen, welches sich im Inhalationsversuch an Nagern im Gegensatz zu Propylenglycol als hoch pneumotoxisch erwiesen hat.cite-ref-20[20] RĂŒckfĂŒhrbar sei dies vermutlich auf dessen Struktur, da Phytol eine Vorstufe zu Vitamin-E, genauer die lipophile aliphatische Seitenkette, darstellt, die mit dem Lung-Surfactant interagiert. Die nun vorliegenden Nachweise beziehen sich allerdings allesamt auf THC-Carts, eine Verwendung in Liquids fĂŒr E-Zigaretten wurde nicht erwiesen, da aufgrund deren lipophoben Eigenschaften eine Mischbarkeit nicht gegeben ist.

Symptome

Die ersten Anzeichen sind meist eine unspezifische Luftnot und Brustschmerzen. In einer Fallstudie mit 98 US-amerikanischen Patientencite-ref-layden-1-3[1] fanden sich bei Krankenhausaufnahme

‱ Atemwegsprobleme in 97 %, vor allem Kurzatmigkeit (85 %), Husten (85 %), Brustschmerzen (52 %). Probleme der oberen Atemwege wie Schnupfen, Niesen, laufende Nase (Rhinorrhoe) fanden sich ebenfalls hĂ€ufig,
‱ Allgemeinsymptome bei allen Patienten, am hĂ€ufigsten Fieber (84 %), aber auch SchĂŒttelfrost, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen,
‱ Magendarmprobleme in (77 %), vor allem Übelkeit (6 %), Erbrechen (61 %), Durchfall (44 %) und Bauchschmerzen (34 %).

Bei Aufnahme bestanden oft eine Tachykardie (63 %) und Tachypnoe (43 %). Ohne zusÀtzliche Sauerstoffgabe lag die SauerstoffsÀttigung bei Raumluft bei 33 % zwischen 89 % und 94 %, bei 25 % unter 89 %.

In der Blutanalyse fand sich meist eine Leukozytose (in 83 % ĂŒber 11.000/mmÂł) vor allem mit Neutrophilen (91 % mit > 80 %), jedoch bei niemandem mit erhöhtem Anteil der Eosinophilen. In etwa der HĂ€lfte der FĂ€lle waren die Aminotransferasen leicht erhöht, bei knapp einem Drittel Natrium und Kalium im Serum vermindert.

Radiologische Untersuchungen

Neben einer Röntgenaufnahme des Thorax wird hĂ€ufig eine CT-Untersuchung durchgefĂŒhrt. Bei klinischer Aufnahme können beide Untersuchungen noch unauffĂ€llig sein oder bereits Infiltrate in den Lungen zeigen. Diese sind in der Computertomografie oft „milchglasartig“ („ground-glass opacity“) und oft in den unteren („basilaren“) Lungenbereichen meist beidseitig zu finden, wie es auch bei anderen LungenschĂ€digungen durch Inhalation giftiger Gase bekannt ist. Gelegentlich sind die subpleuralen Bereiche ausgespart. Seltener finden sich ein Pneumomediastinum, ein Pleuraerguss oder ein Pneumothorax.cite-ref-21[21]

Histopathologie

Zur weiteren Diagnostik kann eine Bronchoskopie durchgefĂŒhrt werden und die BronchoalveolĂ€re Lavage zytologisch ausgewertet werden. Dabei fallen gelegentlich vermehrt Fett-beladene Granulozyten auf.

Wird eine trans-bronchiale Lungenbiopsie durchgefĂŒhrt, sind eine akute diffuse LungenblĂ€schenschĂ€digung mit wenigen Schaumzellen und eine interstitielle und peri-bronchiolĂ€re granulomatöse Pneumonitis typisch. Eine EntzĂŒndungsreaktion ist allenfalls mild und unspezifisch. Durch eine SekundĂ€rinfektion kann aber auch eine LungenentzĂŒndung oder eine Akute Bronchiolitis vorliegen, eventuell durch eine sekundĂ€re bakterielle Infektion.

Das pathologische Bild passt am ehesten zu einer toxischen Pneumonitis mit vorwiegend interstitiellen LungenverÀnderungen, kann aber auch einer Sarkoidose Àhneln.cite-ref-suhling-5-2[5]

Diagnostik

Als EVALI kann eine akute LungenschÀdigung eingeordnet werden, wenn drei Bedingungen zusammenkommen (Diagnosekriterien des CDC 2019):cite-ref-schier-22-0[22]

‱ in den 90 Tagen vor Auftreten der Symptome wurden E-Zigaretten oder eine andere „Vaping“-Methode verwendet,
‱ in den Röntgen- oder CT-Aufnahmen sind Lungeninfiltrate zu verzeichnen,
‱ andere, besonders virale (auch Grippe und COVID-19), bakterielle, aber auch kardiologische, rheumatologische und onkologische Ursachen sind ausgeschlossen worden.

Die Diagnosestellung erfolgt oft verspĂ€tet nach anfĂ€nglicher Behandlung einer vermeintlichen LungenentzĂŒndung. In einer Fallstudie wurden die Patienten im Median sechs Tage nach Beginn der Symptome im Krankenhaus aufgenommen, und 71 % innerhalb der ersten sieben Tage nach Beginn der Symptome. Aber 66 % hatten bereits vor der Krankenhausaufnahme ambulant einen Arzt konsultiert und 45 % hatten ein Antibiotikum verordnet bekommen.cite-ref-layden-1-4[1]

Behandlung

Bei zunehmender Atemnot und HypoxÀmie ist zunÀchst eine Sauerstoffgabe notwendig, bei einer Verschlechterung der SauerstoffsÀttigung zusÀtzlich eine Intubation und maschinelle Beatmung.

In einer Fallseriecite-ref-layden-1-5[1] mussten 56 % der im Krankenhaus aufgenommenen Patienten intensivmedizinisch ĂŒberwacht und 27 % beatmet werden. Bei einem Viertel entwickelte sich ein akutes Lungenversagen (ARDS), das teilweise eine Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) erforderlich macht und zum Tod fĂŒhren kann.

Neben der allgemeinen intensivmedizinischen Versorgung wird sehr hÀufig Glucocorticoid eingesetzt, das in etwa zwei Drittel der FÀlle die Atemleistung verbessern konnte.cite-ref-layden-1-6[1]

Die LetalitĂ€t bzw. Wahrscheinlichkeit zu sterben steigt bei vorbestehender chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) (bei den Verstorbenen neunmal hĂ€ufiger), bei Asthma und bei Zigarettenrauchern (bei den Verstorbenen doppelt so oft), aber auch bei vorher bestehenden Herzkreislauferkrankungen (bei den Verstorbenen fĂŒnfmal hĂ€ufiger), vor allem Bluthochdruck.cite-ref-23[23] Die Verstorbenen waren mit mittleren 51 Jahren deutlich Ă€lter als die Überlebenden (24 Jahre).cite-ref-werner-24-0[24]

Regulatorische Maßnahmen

Im Rahmen der Epidemie erfolgten im Herbst 2019 in zahlreichen Bundesstaaten der USA Verbote fĂŒr einige Zusatzstoffe, vor allem Vitamin-E-Acetat, sowie Erörterungen, die Zusatzstoffe besser zu regulieren.

Die hier ursĂ€chlichen Produkte mit THC oder CBD mĂŒssen, sofern diese ĂŒberhaupt legal in Verkehr gebracht werden dĂŒrfen, als Verbraucherprodukt allgemein im Rahmen der beabsichtigten Anwendung sicher sein, sofern keine privilegierten Regelungen bestehen, welche genauere Anforderungen festlegen. DafĂŒr besitzen die Überwachungsbehörden jedoch zumeist sehr effektive Möglichkeiten, als unsicher erkannte Produkte auch ohne aufwĂ€ndige GesetzesĂ€nderungen sofort aus dem Verkehr zu ziehen. In Deutschland wird dies in § 26 Abs. II ProdSG geregelt.

In der EuropĂ€ischen Union fallen lediglich E-Zigaretten und andere nicotinhaltige Produkte unter die Richtlinie 2014/40/EU, welche im April 2016 mit dem Tabakerzeugnisgesetz in Deutschland umgesetzt wurde.cite-ref-25[25] Eine Generalklausel (Art. 20 (3)) verbietet den Einsatz von Inhaltsstoffen, die in erhitzter oder nicht erhitzter Form ein Risiko fĂŒr die menschliche Gesundheit darstellen. Dementsprechend kann jeder EU-Mitgliedsstaat sehr leicht entsprechende Stoffverbote umsetzen, sofern hier eine Notwendigkeit bestehen sollte. Vitamine sind bereits explizit als Zusatzstoffe verboten, wobei hier jedoch der Schutzzweck nicht im Gesundheitsschutz besteht, sondern im Verbot der VortĂ€uschung einer gesundheitsfördernden Wirkung.

Einzelnachweise

cite-note-layden-11. ↑ Jennifer E. Layden, Isaac Ghinai, Ian Pray, Anne Kimball, Mark Layer, Mark W. Tenforde, Livia Navon, Brooke Hoots, Phillip P. Salvatore, Megan Elderbrook, Thomas Haupt, Jeffrey Kanne, Megan T. Patel, Lori Saathoff-Huber, Brian A. King, Ph.D., Josh G. Schier, Christina A. Mikosz, Jonathan Meiman et al.: Pulmonary Illness Related to E-Cigarette Use in Illinois and Wisconsin — Final Report New England Journal of Medicine 2020, Band 382, Ausgabe 10 vom 5. MĂ€rz 2020, Seiten 903–916, DOI: 10.1056/NEJMoa1911614
cite-note-22. ↑ Welt Video: "NiederlĂ€ndische Firma entwickelt Elektro-Joint" Welt Nachrichten vom 10. August 2015; abgerufen am 12. Juli 2020
cite-note-33. ↑ Christopher M. Jones, Grant T. Baldwin, Peter A. Briss: The EVALI and Youth Vaping Epidemics — Implications for Public Health. New England Journal of Medicine 2020, Band 382, Ausgabe 8 vom 20. Februar 2020, Seiten 689–691, DOI: 10.1056/NEJMp1916171
cite-note-44. ↑ Cannabidiol als gĂ€ngiges Cannabinoid löst sich sehr gut in Propylenglykol aber auch in lipophilen Lösemitteln.
cite-note-suhling-55. ↑ Hendrik Suhling, Tobias Welte, Thomas Fuehner: Fallberichte von drei Patienten mit akuter LungenschĂ€digung nach Gebrauch von E-Zigaretten Deutsches Ärzteblatt Int 2020, Jahrgang 117, Seiten 177–182, DOI: 10.3238/arztebl.2020.0177 (deutsche Version)
cite-note-66. ↑ David Downs, Dave Howard, Bruce Barcott: "Journey of a tainted vape cartridge: from China’s labs to your lungs" Leafly vom 24. September 2019; abgerufen am 14. Juli 2020
cite-note-blount-77. ↑ Benjamin C. Blount, Mateusz P. Karwowski, Peter G. Shields, Maria Morel-Espinosa, Liza Valentin-Blasini, Michael Gardner, Martha Braselton, Christina R. Brosius, Kevin T. Caron, David Chambers, Joseph Corstvet, Elizabeth Cowan, VĂ­ctor R. De JesĂșs, Paul Espinosa, Carolina Fernandez, Cory Holder, Zsuzsanna Kuklenyik, Jennifer D. Kusovschi, Cody Newman, Gregory B. Reis, Jon Rees, Chris Reese, Lalith Silva, Tiffany Seyler, Min-Ae Song, Connie Sosnoff, Carleen R. Spitzer, Denise Tevis, Lanqing Wang, Cliff Watson, Mark D. Wewers, Baoyun Xia, Douglas T. Heitkemper, Isaac Ghinai, Jennifer Layden, Peter Briss, Brian A. King, Lisa J. Delaney, Christopher M. Jones, Grant T. Baldwin, Anita Patel, Dana Meaney-Delman, Dale Rose, Vikram Krishnasamy, John R. Barr, Jerry Thomas, James L. Pirkle et al. fĂŒr die „Lung Injury Response Laboratory Working Group“: Vitamin E Acetate in Bronchoalveolar-Lavage Fluid Associated with EVALI. New England Journal of Medicine 2020, Band 382, Ausgabe 8 vom 20. Februar 2020, Seiten 697–705, DOI: 10.1056/NEJMoa1916433
cite-note-88. ↑ Joan M. Cook-Mills et al.: "The vitamin E isoforms α-tocopherol and Îł-tocopherol have opposite associations with spirometric parameters: the CARDIA study"; BMC Respiratory Research, Springer, 15. MĂ€rz 2014, DOI: 10.1186/1465-9921-15-31
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